Wie ist denn die Durchfallquote bei Bilanzbuchhalter-Prüfung? Hier werden unterschiedlichste Gerüchte erzählt.

Oft heißt es, „bei uns hat niemand bestanden“. Dabei wird aber vergessen, dass eine Größe von z.B. 5 Personen (beispielsweise bei einer kleinen IHK) gar nicht repräsentativ ist.

IHK selbst veröffentlicht keine Statistik explizit zu schriftlichen Prüfungen, sondern nur zur gesamten Prüfung, die nur komplett abgeschlossene Prüfungsverfahren berücksichtigt – also, inklusive mündliche Prüfung und auch endgültig bestanden / nicht bestanden.

Daher habe ich im Herbst 2023 den Versuch gestartet, eine Statistik zur schriftlichen Prüfung zu erhalten.

Statisitsche Größe: Insgesamt haben 167 Personen den Fragebogen beantwortet. Allerdings nur 150 davon haben angegeben, im Herbst 2023 die Prüfung geschrieben zu haben.
Im Weiteren werden nur diese 150 Antworten ausgewertet.

Wir starten mit aller brennendsten Frage😜 – Warten auf das Ergebnis:

1. Wartezeiten

Wie lange auf IHK Ergebnis warten?
Teilnehmende - Anzahl und in %

Wichtige Erkenntnisse

Die Tatsache, dass 87% der Teilnehmenden (84 + 47) ihre Ergebnisse innerhalb von 10 Wochen erhielten, zeigt eine insgesamt effiziente Bearbeitung der Prüfungen.

Ausreißer: Die wenigen Fälle (5 Teilnehmenden) warteten länger als 12 Wochen.

Hauptgruppe: Die Mehrheit der Teilnehmer (56%) wartete weniger als 8 Wochen, was zeigt, dass die IHKs bestrebt sind, die Ergebnisse so schnell wie möglich zur Verfügung zu stellen.

Zusammenfassung

Die Wartezeiten auf die Prüfungsergebnisse sind überwiegend moderat, mit einer Mehrheit der Teilnehmenden, die ihre Ergebnisse in weniger als 8 Wochen erhalten haben.

2. Bestehensquote:

Teilnehmende - Anzahl und die Quote

Gesamtergebnisse der Versuche
Gesamtanzahl der Teilnehmenden: 150
Gesamtanzahl der bestandenen Prüfungen: 95 (63.3% der Teilnehmenden)
Gesamtanzahl der nicht bestandenen Prüfungen: 55 (36.7% der Teilnehmenden)

1. Versuch
Teilnehmeranzahl: 124
Bestanden: 78 (62.9% der Teilnehmenden des 1. Versuchs)
Nicht bestanden: 46 (37.1% der Teilnehmenden des 1. Versuchs)

2. Versuch
Teilnehmeranzahl: 20
Bestanden: 14 (70% der Teilnehmenden des 2. Versuchs)
Nicht bestanden: 6 (30% der Teilnehmenden des 2. Versuchs)

3. Versuch
Teilnehmeranzahl: 6
Bestanden: 3 (50% der Teilnehmenden des 3. Versuchs)
Nicht bestanden: 3 (50% der Teilnehmenden des 3. Versuchs)

Wichtige Erkenntnisse

1. Erfolgsquote im ersten Versuch: Eine Mehrheit der Teilnehmer:innen (62.9%) besteht die Prüfung beim ersten Versuch. Dies zeigt eine solide Vorbereitung und möglicherweise eine effektive Weiterbildung.

2. Verbesserte Erfolgsquote im zweiten Versuch: Die Erfolgsquote steigt im zweiten Versuch auf 70%. Dies deutet darauf hin, dass Teilnehmer:innen, die die Prüfung wiederholen, ihre Vorbereitung verbessern und ihre Erfolgschancen erhöhen können.

 Teilnehmer, die die Prüfung nicht beim ersten Mal bestehen, haben eine gute Chance, im zweiten Versuch erfolgreich zu sein!

3. Herausforderungen beim dritten Versuch: Die Erfolgsquote sinkt im dritten Versuch auf 50%, was darauf hinweisen könnte, dass einige Teilnehmer:innen trotz mehrfacher Anläufe Schwierigkeiten haben, die Prüfung zu bestehen, was auf die Notwendigkeit zusätzlicher Unterstützung oder alternative Lernstrategien für diese Teilnehmer:innen hinweisen könnte.

93% der Teilnehmenden, die die Prüfung nicht bestanden haben, versuchen es erneut. Interessant ist, dass nach dem 2. Versuch mehr Teilnehmende aufgeben wollen als nach dem 3.

3. Aufgaben

erzielte Punkte in den Aufgaben

In dieser Grafik  sind die Durchschnittswerte (Mittelwert)  der Teilnehmenden, die bestanden und nicht bestanden haben, sowie die Median-Werte.

  • Mittelwert: Gibt einen allgemeinen Durchschnitt der Punktzahlen an und ist nützlich, um die Gesamttendenz zu verstehen. Er kann jedoch durch Ausreißer beeinflusst werden.
  • Median: Zeigt die mittlere Punktzahl und teilt die Punktzahlen in zwei Hälften. Er ist robuster gegenüber Ausreißern und gibt daher oft ein realistischeres Bild der „typischen“ Punktzahl.

Insgesamt zeigt der Mittelwert, wie die Teilnehmer im Durchschnitt abgeschnitten haben, während der Median einen besseren Einblick in die typische Leistung gibt, besonders wenn extreme Werte vorhanden sind.

Wichtige Erkenntnisse

In allen drei Situationsaufgaben zeigen sich deutliche Unterschiede in den durchschnittlichen Punkten zwischen den Teilnehmern, die bestanden haben, und denen, die nicht bestanden haben.

Situationsaufgabe 2 weist die höchsten durchschnittlichen Punkte sowohl bei den bestandenen (80 Punkte) als auch bei den nicht bestandenen Teilnehmern (58 Punkte) auf. Der Medianwert von 77 Punkten unterstützt dies.

Die Situatuationsaufgabe war auch im Herbst 2023 im Vergleich zu den anderen Aufgaben tendenziell leichter zu bewältigen.

Die durchschnittlichen Punkte für bestandene Teilnehmer:innen in Situationsaufgabe 1 und 3 sind identisch (62 Punkte), ebenso wie die durchschnittlichen Punkte für nicht bestandene Teilnehmer:innen (39 Punkte). Der Medianwert von 54 Punkten ist ebenfalls identisch. Dies deutet auf eine gleichmäßige Schwierigkeit dieser beiden Aufgaben hin.

Das bestätigt die Tendenz, dass die Situationsaufgabe 3 nicht mehr die schwerste ist, und eine sorgfältige Vorbereitung in Handlungsbereichen "Jahresabschlüsse nach nationalem Recht", "Internes Kontrollsystem", "Kommunikation, Führung und Zusammenarbeit" notwendig sind.

4. Mögliche Erfolgsfaktoren

Teilnehmende - Anzahl und die Quote

Art der Weiterbildung

Teilnehmer:innen, die ihre Weiterbildung in Teilzeit absolvieren, haben die höchste Bestehensquote. Dies deutet darauf hin, dass diese Form der Weiterbildung besonders effektiv sein könnte. Möglicherwiese geschieht dies auch durch die Synergie-Effekte beim Berufsalltag (die Theorie kann durch Praxis gefestigt werden).

Die Erfolgsquote für Teilnehmer:innen im Fernstudium ist ebenfalls relativ hoch. Dies zeigt, dass das Fernstudium eine gute Alternative sein kann, jedoch möglicherweise etwas weniger effektiv als die Teilzeitweiterbildung.

Die Erfolgsquote für Teilnehmer:innen, die ihre Weiterbildung in Vollzeit absolvieren, ist identisch mit der des Fernstudiums. Dies legt nahe, dass sowohl Vollzeit- als auch Fernstudium vergleichbare Erfolgschancen bieten.

Die Bestehensquote im Selbststudium ist die niedrigste. Dies könnte darauf hindeuten, dass das Selbststudium weniger effektiv ist, möglicherweise aufgrund fehlender Unterstützung und Struktur.

Mit einer Bestehensquote von 38% ist das Selbststudium die am wenigsten effektive Methode. Teilnehmer könnten von mehr strukturiertem Unterricht und Unterstützung profitieren.

Die Art der Weiterbildung spielt eine Rolle beim Prüfungserfolg. Teilnehmer:innen, die eine strukturierte Weiterbildung in Teilzeit absolvieren, haben die besten Erfolgschancen, während das Selbststudium die geringsten Erfolgsaussichten bietet. Diese Erkenntnisse könnten helfen, zukünftige Teilnehmer:innen die Wahl der optimalen Weiterbildungsform besser treffen.

Teilnehmende - Anzahl und die Quote

Online oder Präsenz - was ist besser?

Überraschenderweise scheint die Form des Unterrichts kein K.-o.-Kriterium sein: Die Erfolgsquote verschiedenen Unterrichtsformen liegt in relativ engem Range zwischen 60 % und 67 %  Prozent.

Präsenz- und hybride Formen scheinen leicht überlegen zu sein, während Online- und Selbststudium ebenfalls respektable Ergebnisse liefern, jedoch möglicherweise zusätzliche Herausforderungen mit sich bringen.

Lernaufwand pro Woche (Meidan)

Lernaufwand - Überraschendste Ergebnis!

In dieser Auswertung wird der Median für den Lernaufwand pro Woche nach verschiedenen Weiterbildungstypen gezeigt.

Der Median teilt die Datenreihe in zwei Hälften: 50% der Teilnehmer haben Punkte unterhalb des Medians und 50% darüber. Im Gegensatz zum Mittelwert wird der Median nicht durch Ausreißer beeinflusst.

Das bedeutet, dass der Median ein besseres Maß für den „typische“ Lernaufwand ist, insbesondere wenn die Daten ungleichmäßig verteilt sind oder extreme Ausreißer enthalten, was bei dieser Angabe auch oft der Fall war.

Mehr Lernstunden führen nicht unbedingt zu besseren Ergebnissen!

Die Ergebnisse der Teilnehmer:innen, die ihre Weiterbildung in Vollzeit absolvieren, waren hier am nächsten zu den Erwartungen: 

Teilnehmenden, die bestehen, investieren durchschnittlich 50 Stunden pro Woche, im Gegensatz zu 15 Stunden bei den nicht bestandenen Teilnehmenden. Dies zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen hohem Lernaufwand und Prüfungserfolg bei der Weiterbildung in Vollzeit: Diese wird innerhalb der kürzeren Zeit abgeschlossen und selbstverständlich setzt es einen hohen Lernaufwand pro Woche heraus.

Die Lernstunden pro Woche sind für bestandene und nicht bestandene Teilnehmenden im Fernstudium identisch (15 Stunden). Dies deutet darauf hin, dass der Erfolg im Fernstudium möglicherweise weniger vom Lernaufwand und mehr von anderen Faktoren wie Lernstrategien, Selbstdisziplin und Unterstützung abhängt.

Teilnehmer:innen, die ihre Weiterbildung in Teilzeit absolvieren, investieren durchschnittlich 12 Stunden pro Woche, wenn sie bestehen, und 15 Stunden pro Woche, wenn sie nicht bestehen. Dies könnte darauf hindeuten, dass ein höherer Lernaufwand in Teilzeit nicht unbedingt zu besseren Ergebnissen führt und möglicherweise andere Faktoren wie die Effektivität des Lernens oder die Qualität der Weiterbildung eine Rolle spielen.

Im Selbststudium investieren bestandene Teilnehmer:innen durchschnittlich 5 Stunden pro Woche, während nicht bestandene Teilnehmer 10 Stunden pro Woche investieren. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Art und Weise des Lernens und die Effizienz des Selbststudiums eine größere Rolle spielen als die reine Anzahl der investierten Stunden.

 

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