In zwei Wochen ist die Bilanzbuchhalterprüfung. Du hast wochenlang gelernt, Fälle durchgerechnet, Kennzahlen gepaukt. Und dann sitzt du an einem ganz normalen Abend vor deinen Unterlagen ‒ und auf einmal geht gar nichts mehr. Die Zahlen verschwimmen, nichts bleibt hängen, und dieser eine Gedanke schleicht sich an:
„Ich kann das nicht. Ich bin einfach zu blöd dafür. Das wird sowieso nichts. Warum mache ich das überhaupt?“
Bevor du diesem Gedanken glaubst ‒ lies bitte diesen Beitrag zu Ende. Denn dahinter steckt vielleicht gar nicht dein Können, sondern ein Faktor, über den in der Prüfungsvorbereitung fast niemand spricht: dein Zyklus. Ich zeige dir, wie er dein Lernen beeinflusst, wie du deine Lernphasen clever danach ausrichtest ‒ und wie du gut durch den Prüfungstag kommst, selbst wenn deine Periode ausgerechnet dann einsetzt.
Das "Kleingedruckte" in der Bilanzbuchhalter-Prüfungsvorbereitung, über das keiner redet
Alle reden über Lernpläne und Lerntechniken. Über Karteikarten, Zusammenfassungen, Altklausuren und Klausurtaktik. Über Zeitmanagement, Schlaf und Prüfungsangst. Gute Themen, wichtige Themen.
Aber es gibt noch einen: Was ist, wenn PMS oder deine Periode ausgerechnet in den entscheidenden letzten Wochen vor der Prüfung kommen ‒ oder sogar an den Prüfungstagen selbst?
Das betrifft aber einen großen Teil der Prüflinge. Und trotzdem taucht es in keinem Vorbereitungsratgeber auf. Es gilt als „Frauensache“, über die man nicht spricht – und genau dieses Schweigen ist Teil des Problems.
Denn wenn niemand darüber redet, denkst du an einem schweren Tag eben nicht „vielleicht liegt es am Zyklus“, sondern „vielleicht bin ich einfach nicht gut genug“.
Lass uns das ändern.
Dein Körper macht gerade ein Update im Hintergrund
Warum fühlt sich Lernen an manchen Tagen so zäh an? Weil in deinem Körper real etwas passiert. In der prämenstruellen Phase und während der Periode schwanken die Hormone stark ‒ und das kostet Energie. Müdigkeit, weniger Motivation, ein Kopf wie in Watte: Das bildest du dir nicht ein, das hat einen körperlichen Grund.
Stell es dir vor wie ein Software-Update, das im Hintergrund läuft: Der Rechner ruckelt kurz, Programme öffnen langsamer ‒ nicht, weil er kaputt ist, sondern weil gerade viel im Verborgenen passiert. Genauso ist dein Wissen an so einem Tag nicht weg. Es ist nur schwerer abrufbar.
Der Kalender, den du vor der Bilanzbuchhalter-Prüfung zuerst checken solltest
Zurück zu dem Moment von eben ‒ „ich bin zu blöd dafür“.
Bevor du daraus einen Schluss über zwei Jahre Vorbereitung ziehst, mach eine einzige Sache:
Öffne deinen Zykluskalender oder deine Health-App. Und schau, was da steht.
Vielleicht steht da: Periode in fünf Tagen.
Und dann sieht der Gedanke plötzlich anders aus ‒ vielleicht ist heute einfach kein Tag, um über deine Fähigkeiten zu urteilen. Denn „heute komme ich schwer an meinen Stoff“ ist etwas völlig anderes als „ich kann es nicht“: Das eine ist ein Tag, das andere ein Urteil ‒ und dieses Urteil stimmt nicht.
Dein Wissen verschwindet nicht über Nacht. Zwei Jahre Vorbereitung lösen sich nicht auf, weil ein Tag zäh ist.
Das ist die eine Sache, die ich dir mitgeben will:
Nicht jeder schlechte Lerntag ist ein Beweis dafür, dass du schlecht vorbereitet bist.
Wenn die Schmerzen den Arbeitsspeicher belegen
Das Update im Hintergrund erklärt die zähe Energie vor der Periode. Doch wenn die Periode dann da ist, kommt oft noch etwas Handfesteres dazu: Regelschmerzen.
Schmerz ist nicht „nur unangenehm“. Er bindet Aufmerksamkeit ‒ genau die, die du zum Lernen brauchst.
In der Forschung heißt das „pain-related cognitive load“: Ein Teil deiner Konzentration ist ständig mit dem Schmerz beschäftigt, ob du willst oder nicht. Müdigkeit und schlechter Schlaf verstärken das noch.
Diese Schmerzen sind kein Wehwehchen. Du kennst vielleicht die Videos, in denen sich Männer einen Periodenschmerz-Simulator anlegen und schon bei mittlerer Stufe kaum durchhalten – und das reicht nicht mal an starke Regelschmerzen heran. Deine Beschwerden sind real, und du musst sie nicht einfach hinnehmen und dich auf Biegen und Brechen an solchen Tagen durchbeißen.
Was du gegen Schmerzen beim Lernen tun kannst
Es gibt einiges, das dir an solchen Tagen wirklich helfen kann ‒ und vieles davon hast du selbst in der Hand. Es geht nicht darum, den Schmerz wegzuzaubern, sondern ihn so weit in den Griff zu bekommen, dass du wieder klarer denken und lernen kannst. Fang am besten hier an:
#1: Schmerzmittel früh nehmen ‒ nicht erst, wenn es kaum noch geht
Das ist der Tipp, auf den ich selbst lange nicht gekommen bin: Wenn du zu starken Regelschmerzen neigst, wirken Schmerzmittel oft besser, wenn du sie früh nimmst ‒ nicht erst beim maximalen Schmerz.
Gynäkologische Fachquellen beschreiben, dass wenn du die entzündungshemmenden Schmerzmitteln (NSAR wie Ibuprofen oder Naproxen) ein bis zwei Tage vor der erwarteten Periode einnimmst, kannst du weniger Schmerzen haben. Der Grund: Die Schmerzen entstehen durch Botenstoffe (Prostaglandine), die zu Beginn der Blutung ausgeschüttet werden – nimmst du das Mittel früh, bremst du sie aus, bevor sie richtig loslegen.
Disclaimer: Das ist ein allgemeiner Hinweis, keine medizinische Anweisung. Sprich Dosierung und Verträglichkeit vorher unbedingt mit deiner Ärztin oder in der Apotheke ab ‒ vor allem, wenn du einen empfindlichen Magen hast oder andere Medikamente nimmst.
#2: Wärme, Bewegung, Schlaf – und dich ernst nehmen
An schweren Tagen helfen oft die einfachen Dinge: Wärme auf dem Bauch ‒ eine Wärmflasche oder ein warmer Tee. Beim Tee lohnt sich ein Blick auf die Kräuter: Frauenmantel, Schafgarbe oder Kamille sind klassische Begleiter in dieser Zeit ‒ probier aus, was dir guttut.
Dazu ausreichend Schlaf, denn schlechter Schlaf macht Schmerzen und Konzentrationsprobleme nur schlimmer ‒ und Bewegung statt der nächsten Lerneinheit im Sitzen.
Ein kurzer Spaziergang tut oft mehr als eine weitere Stunde am Schreibtisch.
Und wenn du dabei trotzdem noch was für deine Bilanzbuchhalter-Prüfung machen willst:
🎧 Nimm dir knackige Tipps aus dem "Podcast für BiBus in spe" von Vero Vilsmeier mit ins Ohr.
Wenn deine Beschwerden regelmäßig stark sind: Nimm das ernst und lass es gynäkologisch abklären. Hinter starken Regelschmerzen kann zum Beispiel eine Endometriose stecken ‒ etwas, das im Schnitt jahrelang unerkannt bleibt.
Und lass dich nicht mit einem „das ist eben normal“ abspeisen. Starke Schmerzen sind nicht normal ‒ sie sind ein Grund, genauer hinzuschauen. Bleib dran, hol dir notfalls eine zweite Meinung. Du musst nicht tapfer weiterleiden.
Was tun, wenn die Periode auf den Prüfungstag fällt?
Fällt deine Periode auf einen Prüfungstag, dann pack dir ein, was dir hilft:
- eine Schmerztablette, die dir sonst hilft
- Periodenartikel – ausreichend, und wenn du zu starken Blutungen neigst, lieber doppelt gemoppelt (Tampon & Binde)
- wenn Wärme dir bei Krämpfen hilft: ein Wärmepflaster für den Unterbauch, das unauffällig unter der Kleidung sitzt. Es gibt spezielle Wärmeauflagen für Regelschmerzen, die bis zu 8 Stunden Wärme halten sollten.
- Zieh dich bequem an. Wenn das Jogginghose und Hoodie heißt ‒ dann ist das so. Du bist nicht bei einer Modenschau, sondern in deiner Prüfung. Hauptsache, du fühlst dich maximal wohl. Anders als in der mündlichen Prüfung ist hier kein Dresscode gefragt ‒ in der schriftlichen zählt nur, dass du dich konzentrieren kannst.
Und selbst wenn du sie an dem Tag noch nicht erwartest ‒ nimm die Sachen trotzdem mit. Denn Prüfungsstress kann deinen Zyklus durcheinanderbringen, und die Periode kann früher kommen als sonst. Und packe lieber eine Sache mehr dabei als zu wenig ‒ es könnte auch deiner Sitznachbarin passieren. Girls support Girls, gell?
Wusstest du? Die „Tamponsteuer" ‒ ein Fall der Steuerdiskriminierung
Kleiner Fachexkurs, der zum Thema passt: Bis 2019 galten Tampons und Binden in Deutschland als „Luxusartikel“ und wurden mit 19 % Umsatzsteuer besteuert ‒ wie Schmuck. Erst seit dem 1. Januar 2020 gilt der ermäßigte Satz von 7 %.
Den Anstoß gab eine clevere Aktion: 2019 verpackte das Start-up The Female Company gemeinsam mit der Berliner Agentur Scholz & Friends Bio-Tampons in ein 46-seitiges Buch ‒ „The Tampon Book“. Der Trick? Bücher werden mit 7 % besteuert, Tampons mit 19 %. Über die Verpackung als Buch zahlten die Kundinnen nur den ermäßigten Steuersatz. Die Aktion erreichte Millionen und half, den politischen Druck aufzubauen.
Kurios dabei: Die 7 % gelten längst nicht für alle Periodenartikel! Slipeinlagen werden in Deutschland weiterhin mit 19 % besteuert ‒ mit der Begründung, sie seien nicht ausschließlich für die Menstruation gedacht. Ein Stück Steuer-Diskriminierung, das geblieben ist – bei Produkten, auf die man angewiesen ist und nicht verzichten kann.
Und wie sieht es anderswo aus? Da ist Deutschland mit seinen 7 % bzw 19 % eher Nachzügler. Das erste Land weltweit, das die Steuer ganz abgeschafft hat, war Kenia ‒ schon 2011. Viele sind gefolgt: Kanada, Indien, Australien, Kolumbien, Südafrika, Irland. In Europa hat Großbritannien 2021 auf 0 % gesenkt, Österreich folgte zum 1. Januar 2026.
Eine vollständige Befreiung ist in Deutschland bisher nicht in Sicht.
Als angehende Bilanzbuchhalterin siehst du hier übrigens perfekt, wie viel Politik in einem einzigen Steuersatz steckt ‒ und wie viele Jahre es braucht, bis sich einer davon bewegt.
Zum Schluss
Wenn ein paar Tage vor der Prüfung plötzlich das Gefühl kommt „ich kann gar nichts“ ‒ dann heißt das nicht, dass zwei Jahre Vorbereitung auf einmal verschwunden sind.
Bevor du der inneren Stimme glaubst, die dir gerade erzählt, dass du zu blöd dafür bist: Schau vielleicht erst einmal in deinen Zykluskalender.
Und wenn deine Periode tatsächlich genau auf den Prüfungstag fällt: Ja, das ist ziemlich bescheiden. Aber auch darauf kannst du dich vorbereiten. Kenn deinen Körper und plan mit ihm ‒ nicht gegen ihn, und ohne dich dafür zu schämen.
Du schaffst das. Auch an schweren Tagen.
Quellen
Jang, D., Zhang, J. & Elfenbein, H. A. (2025). Menstrual cycle effects on cognitive performance: A meta-analysis. PLoS ONE, 20(3), e0318576. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0318576
Le, J., Thomas, N. & Gurvich, C. (2020). Cognition, the menstrual cycle, and premenstrual disorders: A review. Brain Sciences, 10(4), 198. https://doi.org/10.3390/brainsci10040198
Marjoribanks, J., Ayeleke, R. O., Farquhar, C. & Proctor, M. (2015). Nonsteroidal anti-inflammatory drugs for dysmenorrhoea. Cochrane Database of Systematic Reviews, (7), CD001751. https://doi.org/10.1002/14651858.CD001751.pub3
Kinder- und Jugendgynäkologie. (o. J.). Primäre Dysmenorrhö – Pathophysiologie und therapeutische Optionen. Abgerufen am 13. September 2026, von https://www.kindergynaekologie.de/fachwissen/korasion/2013/pathophysiologie-und-therapeutische-optionen/