Du hast die schriftliche Bilanzbuchhalter-Prüfung geschafft und siehst schon das Licht am Ende des Tunnels. Doch wie gehst du die letzte Hürde ‒ die mündliche Prüfung ‒ am besten an?
Bezüglich der Abschlusspräsentation in der Bilanzbuchhalterpürfung herrscht bis heute noch die größte Unsicherheit ‒ und die hat durchaus ihre Berechtigung.
Denn mit der Prüfungsverordnung 2016 haben sich die Art der Prüfung und die Anforderungen grundlegend geändert.
Wie sah die mündliche Bilanzbuchhalter-Prüfung früher aus?
Früher sah die mündliche Bilanzbuchhalter-Prüfung so aus: Am Prüfungstag kamst du zur IHK, zogst eine von zwei Aufgabenstellungen ‒ und hattest dann 30 Minuten Vorbereitungszeit, um eine Präsentation zu erarbeiten. Hilfsmittel: Flipchart beziehungsweise Folien für den Projektor. Abgeschottet im Prüfungsraum, unter Aufsicht.
Dabei kam es natürlich in erster Linie darauf an, dass du das Problem korrekt erkennst und die richtigen Formeln für die Kennzahlenberechnung anwendest. Auf eine vernünftige Analyse der Kennzahlen selbst, Interpretation oder Ableitung möglicher Maßnahmen kam es nicht mehr an ‒ dafür blieb einfach keine Zeit. Und das konntest du auch nicht in diesen 30 Minuten vernünftig vorbereiten!
Was meinst du, wie oft man bei der Präsentation gehört hat: „Die Umsatzrentabilität ist 4 % ‒ aber ob das gut oder schlecht ist, kann man erst beurteilen, wenn man einen Branchenvergleich macht.“ Oder: „Eigentlich wäre hier die Entwicklung des Cashflows in den Folgejahren wichtig. Leider hat dazu die Vorbereitungszeit nicht mehr ausgereicht…“
Wie sieht die mündliche Bilanzbuchhalter-Prüfung heute aus?
Seit die Bilanzbuchhalter-Prüfungsverordnung 2016 in Kraft getreten ist, hat sich die Abschlusspräsentation grundlegend geändert.
Anstelle einer Aufgabenstellung, die man in 30 Minuten abgeschottet im Prüfungsraum unter Aufsicht erarbeiten musste, sieht die Prüfungsverordnung heute die Vorbereitung der Abschlusspräsentation „zuhause“ vor. Geblieben ist das Fachgespräch im Anschluss.
Du hast also endlich ausreichend Zeit und Möglichkeit ‒ und es wird auch erwartet, dass du diese wirklich nutzt.
Bedauerlicherweise scheint das noch nicht bei allen BiBu-Prüflingen angekommen zu sein. Immer noch zu oft konzentrieren sich die Abschlusspräsentationen hauptsächlich darauf, Kennzahlberechnungen als Zielergebnis zu präsentieren ‒ dabei sind sie nur das Werkzeug, nicht das Ziel.
Die wertvollste und knappe Zeit der mündlichen Prüfung ‒ 15 Minuten ‒ wird dann auf die Erklärung der Rechenwege vergeudet. Am schlimmsten ist es, wenn das Ganze auch noch lediglich für ein einziges Berichtsjahr geschieht und nicht mal die Entwicklung des Unternehmens im Vergleich zum Vorjahr gezeigt wird.
Ich liebe Bilder ‒ beim Unterrichten verwende ich immer verschiedene Schaubilder. Und hier ist mein Bild für die Vorbereitung der Abschlusspräsentation: das Eisberg-Prinzip.
Wusstest du, dass bei einem Eisberg 85 % unter Wasser liegen und nur 15 % sichtbar sind? Genau deshalb hat er Stabilität und kann schwimmen.
Genauso ist es bei der Abschlusspräsentation in der mündlichen Bilanzbuchhalter-Prüfung: Die 15 Minuten, die du präsentierst, sind die Quintessenz ‒ die Krönung deiner Leistung. Aber du musst jeden unsichtbaren Eiskristall deines Eisbergs kennen, um ein gutes Ergebnis abzuliefern.
Wenn du keine ausführliche Hintergrundarbeit geleistet hast, kippt dein Eisberg… äh deine Präsentation. 😉
Und für die ganz Genauen unter uns: Nein, mit 85 Minuten Vorbereitungszeit wirst du nicht auskommen ‒ das Eisberg-Prinzip liefert nur das Schaubild, nicht die genauen Zeitangaben. Auch die DIHK unterstreicht in ihrem Informationsschreiben, dass alle Prüfungsleistungen eine gute und durchdachte Vorbereitung erfordern. (DIHK; 2019, S.2).
Abschlusspräsentation in der mündlichen Bilanzbuchhalter-Prüfung: Das ist der Hintergrund
Das Ziel des Fortbildungsabschlusses „Geprüfter Bilanzbuchhalter und Geprüfte Bilanzbuchhalterin“ ist, eine Erweiterung der beruflichen Handlungsfähigkeit nachzuweisen, die auf einen beruflichen Aufstieg abzielt (§2 Abs. 1 BibuchhFPrV).
Mit dem Aufstieg sind auch andere Erwartungen an dich geknüpft.
Du musst in der Lage sein, mit der Geschäftsführung auf Augenhöhe zu diskutieren ‒ und Geschäftsideen des Managements aus der Sicht des Rechnungswesens zu beurteilen. Das bedeutet: Auswirkungen auf Compliance-Regelungen, Rentabilitätsentwicklung, Liquidität und Stabilität des Unternehmens einschätzen und prognostizieren. Du wirst zum Partner bei wichtigen betrieblichen Entscheidungen.
Das spiegelt sich auch in der Abschlusspräsentation der mündlichen Bilanzbuchhalter-Prüfung wider. Es reicht nicht, Kennzahlen zu ermitteln ‒ du musst sie vor allem analysieren und interpretieren. Im echten Berufsalltag geht es der Geschäftsleitung nicht darum, dass jemand Kennzahlen berechnet.
Es geht darum, was die Kennzahlen aussagen, wie sie sich entwickelt haben, welche Entwicklungen zu erwarten sind ‒ und was die Zahlen bei der Konkurrenz machen.
Genau das simuliert die Abschlusspräsentation: Du nimmst ein reales Unternehmen, analysierst ein Problem, das es hat ‒ und arbeitest Lösungsvorschläge aus, die dieses Problem nachweislich beheben können.
Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Aber nicht jedes Unternehmensproblem eignet sich für deine Abschlusspräsentation! Hier machen viele BiBu-Prüflinge den Fehler, dass sie den Themenvorschlag der Führungskraft einfach blind übernehmen.
Dabei gilt: Auch wenn das Problem aus Unternehmenssicht spannend und vielversprechend klingt, kann es an den Prüfungsanforderungen vorbeigehen. Was du brauchst, ist
- ein komplexes Problem
- aus der betrieblichen Praxis
- im Bereich der Jahresabschlussanalyse
- und es soll machbar sein, dafür Lösungsvorschläge auszuarbeiten.
Wie du sicherstellst, dass dein Thema im Bereich Jahresabschlussanalyse liegt, habe ich in der JA-Checkliste für die Themenwahl erklärt ‒ die findest du in meinen 0€-Angeboten:
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Dein nächster Schritt zur mündlichen Bilanzbuchhalter-Prüfung
Damit du gut vorbereitet in die Abschlusspräsentation gehst ‒ ich habe einige Checklsiten und Guides vorbereitet, die dich sofort weiterbringen.
Quellen
„DIHK“ (2019): DIHK-Information zum Abschluss Geprüfter Bilanzbuchhalter/Geprüfte Bilanzbuchhalterin. Deutscher Industrie- und Handelskammertag e. V. Online im Internet: URL: https://www.hk24.de/blueprint/servlet/resource/blob/4658194/c5012710402ebf4edc4e1dede94829b9/2019-dihk-information-pruefung-bilanbuchhalter-data.pdf (Zugriff am: 15.12.2019).
BibuchhFPrV (2016): Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Fortbildungsabschluss Geprüfter Bilanzbuchhalter und Geprüfte Bilanzbuchhalterin (Bilanzbuchhalterprüfungsverordnung – BibuchhFPrV) Online im Internet: URL: https://www.buzer.de/gesetz/11750/index.htm (Zugriff am: 15.12.2019).