Worum ging es in diesem Live?
Manchmal sitzt du vor deinen Unterlagen, eigentlich weißt du, was zu tun ist – und trotzdem meldet sich plötzlich diese Stimme in dir.
Sie fragt: „Schaffst du das wirklich? Sind die anderen nicht viel besser vorbereitet? Ist das überhaupt noch zu schaffen?“
Wer sich auf die Bilanzbuchhalter-Prüfung vorbereitet, weiß: Es geht nicht nur um Prüfungsstoff, sondern auch um den eigenen Kopf. Spätestens wenn der Druck steigt, sind sie plötzlich da – die Selbstzweifel.
Wie gehe ich damit um, wenn mich der innere Kritiker im falschen Moment erwischt?
Welche Strategien helfen wirklich, um die eigene Motivation und das Selbstvertrauen zurückzuholen – besonders, wenn der Druck steigt?
Genau darum ging es im aktuellen Live – und diese wichtigsten Erkenntnisse kannst du jetzt hier als Blogbeitrag nachlesen.
Lesezeit: 10 Minuten
Was ist eigentlich der innere Kritiker?
Vielleicht kennst du das auch: Es tauchen in dir Sätze auf wie „Das schaffe ich nie“, „Ich bin zu alt dafür“ oder „Die anderen sind sowieso besser“.
Diese Stimme ist meist nicht einfach deine eigene Meinung, sondern setzt sich aus all den Sprüchen zusammen, die wir im Laufe unseres Lebens immer wieder gehört und übernommen haben. Oft stammt sie aus der Schulzeit, von den Eltern oder aus der Leistungsgesellschaft, die uns umgibt.
Mit der Zeit werden diese Aussagen zu automatischen Gedanken – und irgendwann sind sie einfach da, gerade wenn es schwierig wird.
Warum Selbstzweifel immer wieder auftauchen
Studium, im Beruf oder beim nächsten großen Schritt. Das kann erst mal ernüchternd klingen.
Es hilft aber zu verstehen: Zweifel zeigen, dass dir etwas wichtig ist. Sie sind ein Signal, dass du aufmerksam bist und dich vorbereiten willst.
Ein bisschen Selbstkritik schützt auch davor, Fehler zu übersehen, und kann dazu beitragen, dass du dich gut vorbereitest.
Problematisch wird es allerdings, wenn die Selbstzweifel zu groß werden und dich blockieren – besonders in Prüfungsphasen, wenn es darauf ankommt, handlungsfähig zu bleiben.
Was passiert bei starkem Selbstzweifel im Gehirn?
Bei starkem Stress und ausgeprägten Selbstzweifeln gerät unser Gehirn aus dem Gleichgewicht.
Normalerweise arbeiten der präfrontale Cortex (zuständig für Planung, Handeln, Lernen) und die Amygdala (unser „Alarmzentrum“ im Gehirn) gut zusammen.
Wird der Stress zu groß, übernimmt die Amygdala das Kommando – Alarmbereitschaft! Der präfrontale Cortex, der uns eigentlich beim logischen Denken und Vorbereiten hilft, wird „abgeschaltet“.
Das Ergebnis: Wir können nicht mehr klar denken, uns nicht gut vorbereiten und Aufgaben schlechter lösen.
Deswegen ist es so wichtig, in der Prüfungsvorbereitung einen Umgang mit dem inneren Kritiker zu finden und Stress abzubauen.
Typische Muster des inneren Kritikers
elbstzweifel zeigen sich oft in bestimmten, wiederkehrenden Denkmustern:
Unfaire Vergleiche mit anderen
Der Kritiker vergleicht dich immer mit dem „Besten“ – nie mit deinem eigenen Fortschritt oder ähnlichen Situationen.
Beispiel: „Andere haben dieses Thema sofort bestanden, ich brauche länger – ich bin wohl zu dumm dafür.“
Solche Vergleiche führen dazu, dass das Gehirn immer wieder auf die eigenen „Defizite“ schaut und Gefühle von Scham oder Unzulänglichkeit auslöst.
Tatsache: Solche Vergleiche blenden aus, wo andere vielleicht Vorteile hatten, etwa mehr Zeit, längere Berufserfahrung oder bessere Unterstützung.
Sie verzerren die Realität und sind ein typisches Beispiel für kognitive Verzerrungen, die bei Stress leicht entstehen.
Perfektionistische Ansprüche
Alles muss fehlerfrei sein, sonst ist es „minderwertig“
Beispiel: „Mein Lösungsweg ist nicht 100 % wie im Lehrbuch? Dann kann ich es gleich lassen.“
Im Kopf entsteht so ein strenges Denkmuster, das wenig Raum für Flexibilität lässt und Stress fördert. Perfektionismus steht in engem Zusammenhang mit einem erhöhten Stressniveau und sorgt oft dafür, dass Lernen eher blockiert als erleichtert wird.
Psychologisch steckt dahinter oft ein alter Glaubenssatz wie „Sei perfekt“. Viele haben solche Antreiber schon seit der Kindheit übernommen – sie stellen Leistung über Selbstakzeptanz.
Alles-oder-nichts-Denken (Schwarz-Weiß-Denken)
Es gibt nur Erfolg oder Totalversagen – Nuancen zählen nicht. Typisch dafür ist der Gedanke:
„Ich konnte die alte IHK-Aufgabe nicht beim ersten Versuch komplett ohne Hilfe lösen – das heißt, ich werde auch in der Prüfung scheitern.“
Das ist eine klassische kognitive Verzerrung, bei der das Gehirn sofort in den Alarmmodus schaltet und kleine Abweichungen überbewertet.
Die eigene Leistung wird nur in Extremen wahrgenommen: Alles können oder alles nicht können.
Was dabei oft übersehen wird: Schon die Tatsache, dass du die Aufgabe erstmal mit Hilfsmitteln lösen kannst, ist ein wichtiger Schritt im Lernprozess und zeigt deinen Fortschritt.
Auch einzelne Etappen – zum Beispiel zunächst mit Unterlagen arbeiten, Markierungen setzen oder die Aufgabe mehrfach lesen – gehören ganz selbstverständlich dazu.
Gerade in der Prüfungsvorbereitung ist es normal, Aufgaben nicht beim ersten Mal fehlerfrei hinzubekommen.
Wer hier bewusst die „Grauzonen“ trainiert – also lernt, dass auch Teilerfolge und Zwischenlösungen wertvoll sind – bleibt motivierter und sieht den eigenen Fortschritt realistischer.
Positives kleinreden, Negatives aufblähen
Erreichte Ziele werden heruntergespielt („War nur Glück“), Probleme dagegen dramatisiert („Das ist wieder typisch ich“). Beispiel: „Ich habe 20 Aufgaben richtig gelöst, aber bei zwei Aufgaben war ich unsicher – also habe ich wohl nichts verstanden.“
Das Gehirn richtet die Aufmerksamkeit stärker auf das Negative (dieses Phänomen nennt sich Negativitäts-Bias) und beginnt, immer wieder darüber zu grübeln.
Psychologisch schützt dieser Mechanismus kurzfristig vor Enttäuschung, verhindert aber langfristig Wachstum. Wer lernen will, muss sich erlauben, auch kleine Fortschritte anzuerkennen – das kann man üben, zum Beispiel durch kognitive Umstrukturierung: Den Blick bewusst auch auf das richten, was gelungen ist.
Selbstzweifel in der Prüfungsvorbereitung: Was hilft wirklich?
Jedes Mal, wenn wir unseren Selbstzweifeln Raum geben und ihnen nachhängen, werden die entsprechenden Denkmuster im Gehirn gestärkt. Wie Trampelpfade, die zu ausgebauten Straßen werden, je öfter wir sie nutzen. Deshalb ist es wichtig, die typischen Aussagen des inneren Kritikers – „Ich schaffe das nie“, „Die anderen sind besser“, „Ich bin zu alt“ – rechtzeitig zu erkennen, bevor daraus ein Dauerkarussell im Kopf wird.
Es gibt einige Methoden, die helfen können, Selbstzweifel in der Prüfungsvorbereitung zu begegnen. Hier ein paar Ansätze, die sich bewährt haben:
1. Gedanken beobachten – nicht bewerten
Eine sehr wirksame Methode ist es, die eigenen Gedanken erst einmal bewusst zu beobachten, ohne direkt darauf zu reagieren.
Entscheidend ist dabei: Unsere Gedanken sind erstmal nur Gedanken – sie sind keine Fakten und bilden nicht automatisch die Realität über uns ab.
Wenn ein Gedanke wie „Ich schaffe das nicht“, “ Ich bin zu dum /zu alt /zu…“ auftaucht, versuche, ihn wie eine vorbeifliegende Fliege einfach zu registrieren:
- Woher kommt er?
- Wie lange bleibt er?
- Wird er lauter?
Du musst nichts tun, nur beobachten.
Diese Unterscheidung – Gedanke ist nicht gleich Realität – kann sehr entlastend sein und verhindert, dass du dich mit jedem Gedanken sofort identifizierst.
2. Gedanken hinterfragen und umformulieren
Der nächste Schritt ist, deine Gedanken zu hinterfragen:
- Stimmt das wirklich zu 100 Prozent?
- Trifft das auf jede Situation zu?
- Oder ist es nur ein automatisches Muster?
Statt zu denken „Ich bin zu dumm für… “, könntest du umformulieren: „Ich bin gerade neu in diesem Thema. Ich lerne noch und das ist in Ordnung, wenn ich was noch nicht kann.“
Erlaube dir, nicht alles sofort perfekt wissen und können zu müssen.
3. Selbstmitgefühl entwickeln
Mit dir selbst so sprechen, wie du mit einer guten Freundin sprechen würdest – das ist der Kern von Selbstmitgefühl.
Kein Selbstmitleid, sondern Verständnis für dich selbst.
Erlaube dir, anzuerkennen: „Das ist gerade schwer für mich, und das ist okay“ ,“Schwierige Gefühle gehören zum Menschsein.“
„Ich darf freundlich mit mir sprechen.“
Du würdest auch niemals eine Freundin niedermachen, weil sie gerade mit etwas kämpft. Sprich auch mit dir selbst freundlich und unterstützend.
4. Die eigene Körperhaltung nutzen
Ich habe bei mir selbst festgestellt: Wenn ich in Grübel- oder Stressphasen bin, sitze ich oft ganz automatisch irgendwie zusammengesunken.
Probier mal folgendes aus:
Lehn dich zurück, verschränk die Arme hinter dem Kopf, streck – wenn es geht – die Beine aus. Bleib einen Moment in dieser Haltung sitzen.
Du wirst merken, dass Sätze wie „Das Leben ist schwer“ aus dieser Körperhaltung heraus plötzlich ganz anders wirken – irgendwie weniger glaubwürdig.
Allein diese kleine Veränderung kann helfen, wieder etwas Abstand zu bekommen und den eigenen Gedanken weniger Gewicht zu geben.
Kleine Erfolge anerkennen – Argumente gegen den inneren Kritiker
Gerade in der Prüfungsvorbereitung fühlt sich das große Ziel manchmal unerreichbar an. Umso wichtiger ist es, die eigenen Fortschritte unterwegs bewusst wahrzunehmen und ihnen Wert zu geben.
Wenn du zum Beispiel eine Lerneinheit abgeschlossen oder eine schwierige Aufgabe gelöst hast, hake das nicht einfach nur ab, sondern halte einen Moment inne: Das ist ein kleiner Erfolg – und der zählt.
Diese Erfolge sind es wert, anerkannt oder sogar ein bisschen gefeiert zu werden.
Sie liefern dem Gehirn ganz konkrete Belege: „Ich habe etwas geschafft.“
Das hilft, dem inneren Kritiker etwas entgegenzusetzen und negative Zweifel zu relativieren.
Solche kleinen Erfolgsmomente stärken Schritt für Schritt das Selbstvertrauen und machen den Weg durch die Prüfungsvorbereitung spürbar leichter.
Wenn die Zeit knapp wird und der Zweifel wächst
Viele haben Angst, es zeitlich nicht zu schaffen.
Überlege dann: Was wäre wirklich die schlimmste Konsequenz, wenn du etwas länger brauchst?
In den seltensten Fällen ist die Konsequenz wirklich dramatisch.
Oft hilft es, den Zeitdruck herauszunehmen und sich klarzumachen, dass der Weg unterschiedlich lang sein kann – und das ist in Ordnung.
Auch das mehrfache Scheitern gehört manchmal dazu.
Es gibt viele, die Prüfungen wiederholt haben und trotzdem ihr Ziel erreicht haben – manchmal sogar mit Umwegen, aber am Ende erfolgreich.
Entscheidend ist, wie du damit umgehst und ob du dir erlaubst, aus jedem Versuch etwas zu lernen.
Fazit: Selbstzweifel in der Prüfungsvorbereitung dürfen da sein
Selbstzweifel in der Prüfungsvorbereitung sind ganz normal – und kein Zeichen von Schwäche.
Sie zeigen, dass dir dein Ziel wichtig ist. Solange sie dich nicht komplett blockieren, können sie sogar helfen, dich gut vorzubereiten.
Wenn der innere Kritiker zu laut wird, helfen Achtsamkeit, Umformulieren, Selbstmitgefühl, bewusste Körperhaltung und kleine Schritte, den Druck zu verringern.
Und vergiss nicht: Lernen und Entwicklung sind jederzeit möglich, egal in welchem Alter oder mit welchem Hintergrund.
Du bist nicht zu alt, nicht zu langsam, nicht zu wenig – du bist auf deinem Weg.
